Hier unser Wortbeitrag zum 100jährigen Jubiläum der Roten Hilfe:

 

Liebe Antifaschist*innen, Liebe Genoss*innen, Liebe Freund*innen,

Heute feiern wir den Tag der Befreiung vom NS – Regime, aus diesem Grund möchte ich zu allererst mit einer Schweigeminute beginnen für alle, die dem NS-Terror zum Opfer fielen.

„So ist das Leben und so muss man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem“. Vielen von euch ist dieses Zitat aus Rosa Luxemburgs Brief an Sonja Liebknecht bekannt. Sie schrieb diese Zeilen Mitte Dezember 1917 aus dem Gefängnis heraus. Heute feiern wir nicht nur den Tag der Befreiung, sondern auch das 100-Jährige Bestehen der Roten Hilfe. Die Anfangs zitierten Zeilen von RL empfinde ich noch heute als eine Aufforderung an alle die Kämpfen und Widerstand leisten und sie beschreibt die Geschichte der Rote Hilfe nur zu gut. Erstmals gründeten sich im April 1921 die ersten Rote Hilfe Komitees und waren der Grundstein von dem, was wir heute als Rote Hilfe e.V. kennen.

100 Jahre Rote Hilfe sind nicht einfach in Worte zu fassen. Auf das wohl entscheidende und verbindende Element der zehn Jahrzehnte möchten wir aber doch eingehen.

Das Prinzip der Solidarität zieht sich wie ein rotes Band durch diese Geschichte von 100 Jahren. Schon immer hatten fortschrittliche Bewegungen Unterstützung für die von der Reaktion Verfolgten organisiert.

Ab 1933 war die Rote Hilfe in der Illegalität. Das Ausmaß der Verfolgung während der Zeit der NS-Diktatur führte für viele Rote Helfer*innen und Helfer zum Tode. Es wäre anmaßend all das Leid und auch die Gefahren der Arbeit in der Illegalität hier in wenige schnelle Worte fassen zu wollen. Während die Arbeit vieler antifaschistischer Widerstandsgruppen gut erforscht wurde, ist der Kampf der Roten Hilfe gegen den NS-Terror lange vernachlässigt worden. Dass zahlreiche Aktivist*innen der RH, die zum Zeitpunkt des Verbots im März `33 über eine Millionen Mitglieder*innen zählte, ist kaum bekannt. Meistens werden die RHD Strukturen nur am Rande erwähnt oder pauschal der örtlichen Kommunistischen Partei zugerechnet. Als eigenständige und mitgliederstarke Widerstandsorganisation wird die RHD nur in den seltensten Fällen wahrgenommen.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir noch heute etwas mit diesem Begriff der Solidarität anfangen können. Viele der politischen Auseinandersetzungen sind gänzlich anders geworden oder haben sie sich über die Zeit immer wieder verändert.

So wie es große linke Massenorganisationen gab, gab es ihre Verbote. So gab es Kleingruppen, thematisch unterschiedliche Ausrichtungen, unterschiedliche Mittel im Kampf. Es gab Bewegungen im Kleinen und über Ländergrenzen hinweg.

Was linke Ideen betrifft, waren diese in Deutschland nie sonderlich gern gesehen. Das wusste die KPD in den 20er Jahren, genauso wie es die Gegner*innen der Wiederbewaffnung, revolutionäre Studierende, Atomkraftgegner*innen und Antifaschist*innen wussten und wissen. Spätestens, wenn es ihnen an den Kragen ging. Das Überziehen des politischen Gegners mit Repression ist noch immer das Mittel der Wahl, um unliebsame Veränderungen an den herrschenden Verhältnissen zu unterbinden.

Wir können immer noch etwas mit dem Begriff Solidarität anfangen, weil das Gefühl der Hilflosigkeit – welches das Gewaltmonopol des Staates zuweilen auslöst – noch immer das gleiche ist. Irgendwann trifft es immer eine von uns, aber gemeint sind alle anderen mit, die auch für eine politische Veränderung eintreten, einer linken Idee folgen, sich organisieren und politisch aktiv sind.

Und wenn es dann brennt, dann ist es ein elementares Gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist. Dass andere auch auf der Straße sind und einen nicht liegen lassen. Dass es eine warme Tasse Kaffee nach der Zeit in der Zelle gibt und dass es Möglichkeiten gibt, sich im Strafverfahren zu wehren, auch wenn einem kein reiches Elternhaus mitgegeben ist. Es braucht Beistand, es braucht Beratung und es braucht Geld.

Das war schon früher so und so ist es auch heute noch. Nur die Art und Weise der Solipartys dürfte sich über die Jahrzehnte deutlich gewandelt haben ;-D

Solidarität – das ist die nicht ausbleibende Hilfe, das Sich-auf-einander-Beziehen und für Geschlossenheit und Nähe sorgen. Das  Symbol der Roten Hilfe zeigt diese Nähe deutlich – es sind die miteinander verschränkten Arme.

Was in noch zaghaften Versuchen seinen Anfang nahm, ist heute als strömungsübergreifende Solidaritätsarbeit für alle Linken zum zentralen Grundsatz der Unterstützung der Roten Hilfe Geworden. Die Geschichte der Roten Hilfe ist eine der Kontinuität, der langlebigen, über Generationen hinweg organisierten, weil von zahlreichen Genoss*innen getragenen, kontinuierlichen Solidarität, die weder Repression noch Verbote zum Stillstand bringen konnten.

Unsere Solidarität ist und bleibt eine Waffe –nun bereits ein Jahrhundert lang und auch darüber hinaus.

 Aktuell passiert das zum Beispiel für Aktivist*innen im Bereich Antirassismus, wenn es um Hilfe für Geflüchtete geht, sei es durch Versorgung mit Wasser, in Seenot oder bei Abschiebungen. Es passiert in Strafverfahren, wenn das Aufhelfen von der Straße als Gefangenenbefreiung verfolgt wird, und wenn Protestierende zu Kriminellen abgestempelt werden, weil sie Kohleabbau verhindern wollen.

All diesen Entwicklungen muss in allen politischen Belangen eine unsere aktive Solidarität entgegengesetzt werden.

Lasst uns zusammen fordern und dafür kämpfen:

- Nieder mit dem Rondenbarg-Verfahren!

- Nieder mit dem Antifa-Ost-Verfahren! Nieder mit dem Budapest-Verfahren!

- Freiheit für Kenan Ayaz und Schluss mit der Kriminalisierung der kurdischen Freiheitsbewegung! Weg mit dem PKK-Verbot!

- Freiheit für Daniela Klette

- Freiheit für Özgül Emre, Serkan Küpeli und Ihsan Cibelik! Nieder mit dem Kommunisten-Prozess in Düsseldorf!

- Weg mit den Paragrafen 129, 129a und 129b!

- Solidarität war, ist und bleibt unsere stärkste Waffe!

Heute wird gefeiert, morgen nehmen wir den Kampf wieder auf.

„Darum schafft ‚Rote Hilfe‘!“

Und hier noch ein paar Bilder:

Vor der Ko-Fabrik

Unsere Ausstellung

Gut besucht

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